Werbefreie Uni

Hipp bist du nur, wenn du diese Klamotten trägst, mit Deinem iPhone telefonierst, sexy nur mit diesem Parfüm, Freiheit gibt es nur mit unseren Kippen und unser neues Auto ist Lebensgefühl pur!


Mit Werbung wird versucht manipulativ auf Menschen einzuwirken und so deren Verhalten zu steuern und Konsumreize zu schaffen. Das wichtigste Element der Werbung ist daher nicht Information, sondern Suggestion. Dabei macht sich Werbung mehr oder weniger im Unterbewusstsein der Menschen schlummernde Assoziationen und Triebe (Sexualtrieb, Herdentrieb), Wünsche (Glück, Gesundheit, Fitness, Aussehen, Selbstwertgefühl, Ansehen, Zugehörigkeit, Sozialer Rang, Identitätsstiftung, Abenteuer, Ablenkung, Belohnung), Ängste (Krankheit, Schwächen, Einsamkeit, Mangel, Sicherheit), Vorurteile oder tradierte Meinungen, Bequemlichkeiten zu nutze. Die Werbung rückt in die Rolle einer Lebensberatung in Sachen Attraktivität. Die Werbebotschaft wird durch häufige Wiederholung, Aufdringlichkeit oder unterschwelliger Beeinflussung den Mitmenschen ins Hirn gemeißelt, letztlich ohne, dass man sich dagegen wehren kann. Das Produkt, um das es geht, wird verherrlichend und positiv dargestellt, Selbstwert auf Besitz reduziert, alles Negative wird ausgeblendet und verschwiegen.

Kenntnis über die Arbeitsbedingung oder die Umweltunverträglichkeit ist der Verkaufsquote nämlich nicht sehr dienlich; Kinder, die Schwerstarbeit leisten müssen, Menschen hier und anderswo, die ausgebeutet und der Existenz beraubt werden, damit bei uns die Preise niedrig und die Unternehmen konkurrenzfähig bleiben, möchte niemand gerne auf dem Gewissen haben. Ein Unternehmen unternimmt nichts, wenn es keinen Gewinn macht. Um Gewinn zu machen, ist es bestrebt die vorgeschossenen Kosten so gering wie möglich zu halten, seien dies nun Lohnkosten, Steuern oder Investitionen in Umweltschutzmaßnahmen oder Arbeiterschutz.

Werbung sollte daher kritisch hinterfragt werden; Werbung greift meist bestimmte Rollenerwartungen und Klischees und die damit verbundenen gesellschaftlichen Machtstrukturen auf und festigt sie dadurch. So werden Frauen beispielsweise in der Werbung oft sexualisiert, auf ihr Äußeres reduziert oder in der Rolle der Hausfrau dargestellt. Es muss aber Orte geben, die frei von wirtschaftlichen Interessen sind, damit reflektives und kritisches Denken und Handeln enstehen kann. Deswegen ist es nötig Freiräume zu schaffen und zu bewahren.

Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg soll ein solcher Freiraum sein.

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Datei themen:werbefreie_uni bearbeitet am 01.12.2008 um 14h02 von jerome