Carl von Ossietzky

Die Weltbühne und der Herausgeber Carl von Ossietzky


Carl von Ossietzky wurde am 3. Oktober 1889 in Hamburg geboren. Seine Biographie zu lesen heißt, die historische Entwicklung der Weimarer Republik nachzuvollziehen. Ossietzky entstammte einer verarmten Kleinadelsfamilie und genoss eine religiös- bürgerliche Erziehung, von der er sich schon bald abwandte, weil er die Verlogenheit der religiösen Scheinwelt erkannte.

Der junge Carl von Ossietzky, eine Zeichnung dieses Portraits findet verwendung als Logo des AStA der Carl von Ossietzky UniversitätIn seinem aufklärerischen Menschenbild stand das Individuum als autonomer Mensch im Mittelpunkt, welches vernunftmäßig handeln kann. Seine Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erfahren eine Auseinandersetzung mit der ungerechten Wirklichkeit im proletarischen Hamburg und geraten in stetigen Widerspruch zu dem behüteten kleinbürgerlichen Familienleben. Dadurch erlangt Ossietzkys ausgeprägte republikanische Gesinnung einen eindeutigen Klassenstandpunkt. Für sein politisches Wirken sind dann auch zwei Entwicklungen von entscheidender Bedeutung: der erste Weltkrieg und seine „Lehren“ und der stärker werdende Militarismus und Faschismus.

Ossietzky mit einer Ausgabe der WeltbühneNach dem ersten Weltkrieg wird Ossietzky herausragender Repräsentant des deutschen Pazifismus. Er gründete mit anderen Bürgerlichen die „Nie-wieder-Krieg“ Bewegung, die einzige massenwirksame Pazifisten-Initiative der Weimarer Zeit, an der sich auch die ArbeiterInnenschaft beteiligte: Er verstetigte den Kampf gegen den deutschen Militarismus auch nach dem Krieg: „Noch ein Jahr nach Abschluss des Waffenstillstands treiben in Deutschland weite Volksschichten einen albernen Kultus mit dem wattierten Ludendorff. Neue Zeit? Nein, noch taumelt alles im Labyrinth des Krieges.“ „Damit ist aber unsere pazifistische Arbeit notwendiger denn jemals,“ schreibt er im November 1919 im „Völker-Friede“. Für ihn bedeutete Frieden auch immer Demokratie.

Nach der Enttäuschung der Novemberrevolution von 1918 wurde er in der Weimarer Zeit zu einem Verfechter der revolutionären Umgestaltung in Richtung einer sozialistischen Gesellschaft und kritisierte umso heftiger sozialdemokratische Mehrheitspolitik. Dennoch konnte er sich auch der damaligen KPD nicht anschließen, die ihm mit ihrer Bolschewismus-Konzeption zu starr auf Moskau fixiert war. Er gründete deshalb die republikanische Partei, die sich kurze Zeit später wieder auflöste, weil sie die Massen nicht erreichte. Carl von Ossietzky wird 1914 freier Journalist, 1920 Redakteur der „Berliner Volkszeitung“ und 1927 Nachfolger Kurt Tucholskys als verantwortlicher Redakteur und Herausgeber der „Weltbühne“.

Ossietzky im KZ EsterwegenDer harsche und klare Ton seiner Artikel gegen den Militarismus und sein Eintreten für demokratische Rechte lassen ihn zu einem gefürchteten Gegner der Reaktionäre werden, welche wiederholt versuchten, ihn auf juristischem Wege zum Schweigen zu bringen. 1931 wird Carl von Ossietzky auf Grund eines enthüllenden Artikels über die geheime Aufrüstung der Reichswehr wegen angeblichen Landesverrats zu 18 Monaten Haft verurteilt. 1932 im Rahmen einer Amnestie freigelassen, wird er Anfang 1933 wieder verhaftet und 1934 in das Konzentrationslager Papenburg-Esterwegen überführt. Dort inhaftiert bekommt er 1936 den Friedensnobelpreis zuerkannt.

Internationaler Druck, der seine Freilassung erwirken soll, lässt ein bisschen Hoffnung aufkommen. Doch er bleibt weiter inhaftiert und wird gefoltert. Am 4. Mai 1938 stirbt Ossietzky an den Folgen erlittener Folter.

Ossietzky als Namensgeber unserer Universität

Studentinnen bringen an dem Turm den Schriftzug "Carl von Ossietzky Universität" anDie Geschichte der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg stellt sich seit ihren Anfängen als eine lange Reihe von Auseinandersetzungen um die demokratischfortschrittliche Gestaltung der Universität dar: Die Ursprünge gehen auf die Gründung des Lehrerseminars Oldenburg im Jahr 1793 zurück, das auf Drängen der Aufklärungsbewegungen nach der französischen Revolution entstanden war und die Verbesserung der allgemeinen Volksbildung in der Region zum Ziel hatte. 1945 wurde die Pädagogische Hochschule Oldenburg gegründet. Der Anspruch den LehrerInnen eine wissenschaftliche Ausbildung zu ermöglichen, mündete dann in den 60er Jahren in dem immer stärker werdenden Bestrebungen, eine wissenschaftliche Ausbildung auch in anderen Studienbereichen zu schaffen.

Der Wunsch nach Aufbau einer Universität in der Nord-West-Region zog immer größere Kreise. Der gesamte Nord-West- Raum besaß damals keine einzige Universität. Die Forderung nach Gründung einer Uni in der Region war somit aus regionalund bildungspolitischen Gründen dringend notwendig und wurde zur Forderung aller fortschrittlichen Kräfte in der Region. Nach vielen Auseinandersetzungen wurde dann 1974 endlich die Universität Oldenburg gegründet. Bis in die 90er Jahre gab es harte Auseinandersetzung um die Namensgebung der Universität.Es sollte ein Name gefunden werden, der die aufklärerisch-demokratische Tradition und Zielrichtung der Universität verdeutlichen und einen Bezug zu Oldenburg herstellen sollte.

Der Vorschlag Carl von Ossietzky wurde erstmals im Juni 1972 von studentischer Seite in die Strukturkommission des Gründungsausschusses eingebracht. Nach bekannt werden des Vorschlags der Strukturkommission entbrannteeine heftige Debatte über die Namensgebung in der Öffentlichkeit. Die NWZ veranstaltete eine LeserInnenumfrage, welcher Name den Oldenburgern der angenehmste sei. Zur Auswahl standen neben Carl von Ossietzky auch der aristokratische Pferdezüchter Graf Anton Günther von Oldenburg. Nahegelegt wurde aber die Entscheidung für den zu nichts verpflichtenden und „ideologiefreien“ Namen „Universität Oldenburg“. An der Abstimmung beteiligten sich 3111 NWZ-Leser (von 130000 Einwohnern), wobei die Hälfte von ihnen sich der NWZEmpfehlung anschloss. Dank der einseitigen Informationspolitik der NWZ und der Hetze gegen Ossietzky stand sogar Graf Anton noch höher in der Gunst als Ossietzky.

Trotz des öffentlichen Widerstandes wurde im §1 der Grundordnung festgelegt, dass die Universität Oldenburg „den Namen Carl von Ossietzky Universität“ trägt. Die sozialliberale Landesregierung genehmigte diesen Paragraphen nicht. Dennoch beschlossen das neu gewählte Konzil und der Senat einstimmig die Beibehaltung des Namens Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Am 3.10.1991 wurde der Festakt zur Namensgebung der Universität nach Carl von Ossietzky begangen.

Datei themen:carl_von_ossietzky bearbeitet am 14.06.2011 um 14h40 von nikolaj