Erstirede 2011/12

Ansprechpartnerinnen: Nikolaj Schulte-Wörmann, Sven Klusmann, Friedrich Hinrichs

Ziel des Projekts ist die Erstirede 2011/12.

Ziel erreicht:

Liebe Studis in Hörsaal 1. Liebe Studis in Hörsaal 2. Liebe Frau Präsident in der ersten Reihe. Liebe anwesende Langzeit-Studenten, liebe Professoren, WiMis, liebe Mitarbeiter, liebe Eltern. Lieber Tee oder Kaffee. Liberté, Égalité, Fraternité.

Ihr seid vielleicht der letzte Jahrgang vor der European Medical School, der Medizin Fakultät die hier bald eröffnet werden soll. Und hier scheint es momentan nur die Zeitrechnung vor der Medizin zu geben; und mit viel Glück dann auch eine nach der Einrichtung der Medizin. Herzlich willkommen an dieser unserer schönen Reformuniversität. Reformen wurden hier schon immer großgeschrieben. Früher saßen hier alle Gruppen lange zusammen und sinnierten darüber, wie eine Reform in der Lehre oder der Lehrerbildung die Situation verbessern könnte. Heute wird die Frage nach dem Inhalt gerne hinten angestellt, denn es ist wichtiger etwas schnell einzuführen, als es gut zu tun. Aber Ihr seid angekommen – an unserer Carl von Ossietzky Universität. Die führende Reform-Universität im Nordwesten Niedersachsens.

Unser Namenspatron, Carl von Ossietzky, forderte (im Angesicht des Ersten Weltkriegs) die Wissenschaft wieder menschlich zumachen. Heute sind Mensch und Wissenschaft nur noch gefordert, wirtschaftlicher zu werden. Aber da seit jeher die Universität im Umbruch verhaftet zu sein scheint, ist es eben auch nur folgerichtig Traditionen erbarmungslos zu brechen.

Sowie die Aufforderung Ossietzkys in Vergessenheit geriet, die demokratische Vorreiterrolle der Universität im Nachkriegsdeutschland nicht mehr bekannt ist, verdiente Professoren und Professorinnen in Sammelunterkünften zusammengepfercht werden und Diploma und Magister einfach ausgestoßen werden, so ändert sich eben die Universität. Aber dies geschieht natürlich alles nur zum Besten der Universität und all ihrer Angehörigen.

Georg Christoph Lichtenberg schrieb der einst, im 18. Jahrhundert: „Ich möchte was darum geben, genau zu wissen, für wen eigentlich die Taten getan worden sind von denen man öffentlich sagt sie wären für das Vaterland getan worden.“ Ich würde heute gerne Gleiches wissen nur für unsere Universität. Noch einmal: herzlich willkommen!

So wie alle empfehle auch ich euch auch etwas. Ich möchte euch etwas Sinnvolles mit auf den Weg durchs Studium geben. So kann ich euch an den Erfahrungen von Generationen von Studierenden teilhaben lassen. In den nächsten Tagen wird das jeder tun. Glaubt nichts und niemandem! Wir lügen alle! Die einen besser, die anderen schlechter: Aber, lügen tun wir alle! Also hört immer genau zu, hinterfragt alles, und lest am besten selber nach.

Es ist bitter aber, kümmert euch nicht um Hochschulpolitik. Das verlängert euer Studium. Eure Stimme wird eh nicht gehört, die Bildungspolitik in Niedersachsen möchte das so, und hier hat keiner was dagegen. Den Befehlsketten sind schneller als demokratische Gremien, und Schneller ist eben besser als Gut.

Als der doppelte Abiturjahrgang auf diese Universität zukam, rechneten wir hier mit massiven Raumproblemen in der Universität. Aber ich kann euch beruhigen, durch Studiengebühren und das Schließen der Universität durch den Numerus clausus, können wir hier in Oldenburg stolz vermelden unsere Erstsemester zahlen sind nicht gestiegen, für jeden von euch ist also gesorgt. Und trotzdem konnten wir unsere Studierendenzahlen erhöhen, da wir seit der Bachelor Master Umstellung eine sinkende Zahl hatten und wir im letzten Jahr wieder einen Anstieg zu verzeichnen hatten, der sich dieses Jahr nur hält. Also für euch ist genug Platz da.

Die Hauptlast im Studium liegt bei euch, und es liegt auch bei euch, was ihr darüber hinaus macht. Vor zwei Jahren haben sich die Studierenden hier und in vielen anderen Unis zusammengesetzt und haben sich gegen die unwürdigen Studien Bedingungen ausgesprochen. Manches hat sich seit dem verändert, zum Beispiel gibt es keine Anwesenheitslisten mehr. Es gibt nur noch eine Prüfung pro Modul, was für euch bedeutet, dass ihr nicht ein Portfolio, ein Referat, eine Klausur, einen Artikel und dann noch eine Hausarbeit machen müsst, pro Seminar. So jetzt habe ich den AStA in das schlechte Licht gerückt, in dem ihr ihn schon kennt oder kennenlernen werdet.

Wir machen aber eigentlich auch ganz nette Sachen:

Das Semesterticket habt Ihr ja alle mit dem Leporello bekommen, der AStA ist der Urheber. Die Fahrradselbsthilfewerkstatt lernt ihr bestimmt noch kennen, wenn ihr in Oldenburg mit dem Rad fahrt. Im AStA-Trakt des Mensagebäudes findet ihr den Verkauf von Recyclingprodukten und anderen umweltfreundlichen Büroprodukten. Und die Sozial- und BAföG-Beratung im AStA hilft euch bei Problemen, finanzieller und anderer Natur, weiter. Unsere Sozial- und BAföG-Berater sind so gut, dass sie Seminare geben.

Daneben leisten wir auch politische Bildungsarbeit, organisieren politische und kulturelle Veranstaltungen (achtet auf das AStA-Logo) oder unterstützt politische Arbeitskreise an der Uni mit Materialien, Raum und Zeit.

Anders als die Fachschaften übrigens, die euch in eurem konkreten Studienfach weiterhelfen können und es in den nächsten Tagen auch müssen, vertritt der AStA die Gesamtheit der Studierendenschaft nach außen und gegenüber der Hochschulleitung und der Verwaltung. Fachschaften und Asta sind aber auch auf euch angewiesen, den sie bestehen aus Studis wie euch. Also schaut euch um und hoffentlich haben einige von euch Lust an der studentischen Selbstverwaltung teilzunehmen, die Fachschaften werden sich freuen und der AStA auch.

Wenn du Lust oder noch Fragen hast, dann komm doch einfach mal vorbei und sag „Hallo“! Du bekommst auch einen Bio-Kaffee oder einen Tee.

Mein Name ist Nikolaj Schulte-Wörmann und seid Willkommen.

Datei projekte:erstirede2012 bearbeitet am 05.02.2012 um 13h21 von nikolaj